Ex oriente lux

Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, geht unser Blick in den Orient, sehnen
wir uns nach den intensiven Aromen wie Mandel, Vanille, Süßholz, Zimt oder Lavendel. Auch beim Wein schwenken viele vom frischen, fein fruchtigen zum körperreichen. Warum das so ist, erklärt:
Lothar Janus

Wenn einem der Duft von Lebkuchen, Zimtsternen und Glühwein in die Nase zieht, ist definitiv Winter. Was die Leckereien so verführerisch macht, sind vor allem die darin enthaltenen Gewürze. Diese verleihen Speisen und Getränken nicht nur ihre charakteristische Note sondern besitzen auch nachweislich gesundheitsfördernde Eigenschaften. Kein Wunder: In den Früchten, Samen, Rinden und Wurzeln sind die Wirkstoffe der Pflanzen in hohem Maße konzentriert. Das wussten auch die alten Chinesen und Ägypter, die Gewürze bereits vor 5.000 Jahren zu Heilzwecken einsetzten. Besonders praktisch: Viele Wintergewürze wirken hervorragend gegen Erkältungs- und Verdauungsprobleme – also Beschwerden, die in der kalten Jahreszeit vermehrt auftreten.

Dieses Wissen schein instinktiv in uns angelegt, so dass wir uns im Winter in fast allen Lebensbereichen „orientalisch“ geben: Mit Räucherstäbchen sorgen wir für ein exotisches Raumklima, bei Parfüms finden sich Vanille, Weihrauch,  Amber oder Patchouli, wir backen mit Koriander, Kardamom, Muskat und Nelken. Selbst beim Wein favorisieren wir häufiger diese Aromen.

Orient im Glas
In Weißweinen sind sie natürlicherweise zurückhaltender vertreten. So finden sich im Chardonnay Limetten, Vanille oder Karamel, in einem kräftigen Silvaner Schiefer, Pfirsich, Mango, Minze. In einem Champagner lassen sich Assoziationen von Grapefruit bis Hefezopf ausmachen.

In Rotweinen ist der Detailreichtum am größten ausgeprägt. Bei einer idealen Trinktemperatur entfalten sie die geballte Kraft der Aromen. Die häufigsten sind bei einem Bordeaux: Schwarze Johannisbeeren, Zimt, Vanille, Zigarrenkistenholz, Kaffee. Ein Côtes du Rhône überrascht mit Brombeerkonfitüre, Zwetschgen, gerösteten Mandeln, Pfeffer, Tabak. Und im Burgunder entdeckt man Zimt, Baumwurzel und Nelken.

Glühwein mit Charakter
Die Gemüter sind gespalten. Den einen  schmeckt die fade, vielfach nur süße Suppe aus dem Supermarkt. Die anderen halten das Erhitzen und Würzen von Wein für ein Sakrileg. Wieder andere sind da entspannter, verwenden allerdings nur hochwertige Zutaten. Und was wäre eine Winter-Weinkolumne ohne ein persönliches Glühwein-Rezept?

Edler Glühwein Jaques Weinkolumne Nr. 5 Heft 6

Foto: Deutsches Weininstitut

 

 

 

 

 

 

 

 

Edles Rezept
Verwenden Sie einen Rotwein, der Ihnen auch sonst gut schmeckt. Wir empfehlen einen 2011 PLAIMONT Le Tapie Rouge (Merlot, 4,20 EUR im Depot), da dieser sich aufgrund seiner komplexen Gewürzaromen und seiner fruchtigen Note sehr gut als Basis für einen Glühwein eignet.
Die Zutaten (für 8 Portionen):
1 l Rotwein; 1 Bio-Orange; 1/4 l Apfelsaft (Walther´s Apfel-Direktsaft, im Depot 4,95 EUR / 3 l Box, anstelle Vanille- oder Rohrzucker); 8 Nelken; 6 Kardamomkapseln; 2 Sternanis; 6 Pimentkörner; grüner und roter Pfeffer (ganz); 1 Stange Ceylon-Zimt; 1 TL Koriandersaat; 1 guter Schuß Cointreau.

Die Zubereitung: Drücken Sie die Kardamomkapseln mit einem Messer auf.  Kardamom, Nelken, Sternanis, Pimentkörner, Pfeffer, Koriander und den Ceylon-Zimt  in einen Filter-Teebeutel geben und zubinden. Wärmen Sie den Rotwein mit dem Teebeutel zugedeckt vorsichtig auf (er darf nicht sieden). Waschen Sie die Orange mit heißem Wasser, trocknen Sie sie ab und schneiden sie in zentimeterdicke Scheiben. Geben Sie die Orange zum Wein und lassen Sie alles zugedeckt bei milder Hitze 15 Minuten ziehen. Drücken Sie den Teebeutel über dem Wein aus und geben Sie einen Schuß Cointreau zum Glühwein.

In diesem Sinne: Kommen Sie gut und orientalisch durch die kalten Tage.

 

Lothar Janus
Weinkenner und Inhaber von 4 Jacques´ Weindepots in Leipzig engagiert sich seit Jahren für die Weinkultur in seiner Heimat.
www.jaques.de
Die besonderen Öffnungszeiten:
Mo – Do 15.00 – 19.00 Uhr
Fr 14.00 – 20.00 Uhr
Sa 10.00 – 15.00 Uhr

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